Manuel Fröhlich Kaffee

Kaffeekantate

1734/35 komponierte Johann Sebastian Bach (1685-1750) mit der «Kaffeekantate» eine kleine Liebeserklärung an den Kaffee.

Das Büchlein «Ey! Wie schmeckt der Coffee süsse» zeichnet nach, wie es dazu gekommen ist, dass Bach, der Komponist von gewichtigen kirchlichen Werken wie der Matthäuspassion, eine Kaffeekantate geschrieben hat.

Ey wie schmeckt der Coffee süsse!

(Bildquelle: Amazon.de)

Nur zwei Jahre bevor Bach geboren wurde, kam man in Wien im Zuge der Türkenbelagerung auf den Kaffee-Geschmack. 1694 wurde in Leipzig das erste Kaffeehaus eröffnet, das den Namen «Zum arabischen Coffee-Baum» getragen hat. Wie andernorts galten auch in Leipzig Kaffeehäuser anfänglich als Lasterhöhlen. Um 1730 waren Kaffeehäuser aber bereits beliebte musikalische Treffpunkte.

Johann Sebastian Bach

(Bild: Johann Sebastian Bach / Wikipedia)

Bach selber trug dazu bei, dass die Leipziger Kaffeehäuser bevorzugte Treffpunkte für Musikfreunde wurden. Neben seiner Anstellung als Thomaskantor veranstaltete er mit seinem Collegium Musicum wöchentlich Konzerte im Zimmermannschen Kaffeehaus in der Leipziger Katharinenstrasse, mehr als zehn Jahre lang. In dieser Zeit hat Bach auch seine Kaffeekantate komponiert.

Der Text der Kantate stammt aus der Feder des Dichters Christian Friedrich Henrici, Künstlername «Picander», der auch die Matthäuspassion gedichtet hat. Dieser, so wird im Büchlein «Ey! Wie schmeckt der Coffee süsse» vermutet, habe es mit seinem Text vorallem auf die Koffeinsucht der Damenwelt abgesehen. Bach selber war es, ist sich der Autor sicher, der den versönlichen Schluss und die List der Protagonistin Liesgen hinzugedichtet hat.

In der Kantate tritt neben dem Erzähler ein Herr Schlendrian auf, der mit dem Kaffeekonsum seiner Tochter Liesgen nicht einverstanden ist. Liesgen aber ist uneinsichtig:

Ei! wie schmeckt der Coffee süße,
Lieblicher als tausend Küsse,
Milder als Muskatenwein.
Coffee, Coffee muss ich haben,
Und wenn jemand mich will laben,
Ach, so schenkt mir Coffee ein!

Da droht ihr der Vater:

Wenn du mir nicht den Coffee lässt,
So sollst du auf kein Hochzeitfest.

Hier erklärt Liesgen sich bereit, fortan auf den Genuss von Coffee zu verzichten. Da zieht der Vater aus, um der Tochter einen Mann zu finden:

Nun geht und sucht der alte Schlendrian,
Wie er vor seine Tochter Liesgen
Bald einen Mann verschaffen kann;
Doch, Liesgen streuet heimlich aus:
Kein Freier komm mir in das Haus,
Er hab es mir denn selbst versprochen
Und rück es auch der Ehestiftung ein,
Dass mir erlaubet möge sein,
Den Coffee, wenn ich will, zu kochen.

Die Kantate schliesst mit diese Zeilen:

Die Katze lässt das Mausen nicht,
Die Jungfern bleiben Coffeeschwestern.
Die Mutter liebt den Coffeebrauch,
Die Großmama trank solchen auch,
Wer will nun auf die Töchter lästern!

Den vollständigen Text der Kaffeekantate gibt es hier.

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