Manuel Fröhlich Kaffee

Francesco Illy über die Espresso-Einzelportion (1/3)

Amici Einzelportion 

(Bildquelle: Amici Caffè AG)

Francesco Illy, der frühere Chef des Schweizer Illy-Ablegers Amici Caffè, ist ein Kaffeeenthusiast und Unternehmer mit viel Herzblut. In einer 64 Seiten starken, vor ein paar Jahren entstandenen Broschüre mit dem Titel «Das Beste, was wir je zustande gebracht haben», hat Francesco Illy versucht, das Geheimnis des Illy-Kaffees zu erklären.

Einige der Themen und Geschichte aus der Broschüre sind so lesenswert, dass wir sie Ihnen nicht vorenthalten möchten. In einem längeren Abschnitt erklärt Francesco Illy, wie und warum die Firma Illy die heute weit verbreiteten E.S.E. Pads entwickelt hat. Lesen Sie die Geschichte in einer dreiteiligen Blog-Serie. Heute: «Die Geburt der Einzelportion»:

Die Portionierung wurde im Jahre 1914 erfunden. Damals war Grossvater gerade 22 Jahre alt und liess es sich wahrscheinlich nicht einmal träumen, dass er 20 Jahre später eine Kaffeeindustrie ins Leben rufen sollte. Vermutlich war er bereits für den ersten Weltkrieg eingezogen worden.

Die Idee der Einzelportion an sich ist also uralt.

Und als unser Vater Ende der 60er Jahre sie ins Visier nahm, um endlich etwas Vernünftiges daraus zu machen, war sie mit ihren verfallenen Patenten eigentlich fast reif für die Beerdigung: Denn bis zu jenem Tag war es keinem gelungen, mit dem zwischen zwei Lagen Filterpapier enthaltenen Kaffeepulver einen anständigen Espresso zu machen.

Aber unser Vater hatte es sich in den Kopf gesetzt, den Espresso in aller Welt bekannt zu machen. Leider haperte es oft an der Fähigkeit der Kunden, aus seiner exzellenten Kaffeemischung auch ein ebenso gutes Getränk zu zaubern. Er sah daher keinen anderen Ausweg, als das Ganze zu vereinfachen. Und was könnte einfacher sein, als eine Portion Kaffeepulver in eine eigens dazu konzipierte Kafeemaschine einzulegen und auf einen Kopf zu drücken?

Die Mischung.. ja, seine Mischung war für diesen Zweck bestens geeignet. Was den Mahlgrad betraf, so war allerdings etwas mehr Technologie gefordert. Dazu musste er sich lasergesteuerte Präzisionsmühlen beschaffen, welche die Körnchengrösse und insbesondere die prozentuale Verteilung des Mahlguts steuern können: Die Entwicklung der Anlagen dauerte fünf Jahre!

Zum Einstieg in dieses Geschäft hatte Vater Maschinen von einem gewissen Mlikian gekauft. Er war der letzte gewesen, der sein Glück mit dem System der Kaffeeportionen versucht hatte. Die Leistungen dieses Neuerwerbs für die Produktion der ersten Kaffeeportionen liessen allerdings zu wünschen übrig: Die Portion, „cialda“ genannt, war zu breit, zu schwer und nicht gepresst: mit anderen Worten unbrauchbar. Und auch im Hinblick auf die „Extraktionskammer“ musste man ganz von Vorn anfangen…

Es ist wohl besser, nicht daran zu denken, wieviele Jahre Entwicklungsarbeit nötig waren, bevor die heutige Version der Illy-Portionen geboren war. Schlussendlich ist es gelungen, selbst die Amerikaner, die keine Ahnung von Espresso hatten, von dieser Leidenschaft anzustecken!

Morgen geht es weiter mit Francesco Illy und dem Kapitel «Was ist der Vorteil bei vorverpackten Kaffeeportionen?»

Kommentare

keine Kommentare vorhanden

Kommentar verfassen