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Jedes 2. Café steht vor dem Aus

Der SonntagsBlick berichtet heute im Artikel Krise: So wollen die Cafés überleben von der dramatischen wirtschaftlichen Lage, in der sich die Schweizer Cafés befinden. 1400 der 2100 Café-Betriebe schreiben rote Zahlen. Eine Tischgebühr oder ein Mindestkonsumationspreis soll die Cafés aus der Krise führen:

Johanna Bartholdi, Chefin des Cafétier-Verbandes, will nicht mehr länger zuschauen, wie die Cafés aussterben. Eine Arbeitsgruppe des Verbandes, bei dem über 1000 Betriebe Mitglied sind, erarbeitete ein Papier, das SonntagsBlick kennt. Wichtigste Massnahme ist die Einführung eines sogenannten Mindestkonsumationspreises: Jeder Gast, der sich in einem Café hinsetzt, muss wenigstens fünf Franken liegen lassen – selbst wenn er nur ein Gipfeli für Fr. 1.50 oder einen Kaffee für Fr. 3.80 konsumiert. Bestellt er Getränke oder Essen, die mehr als fünf Franken kosten, ändert sich nichts.

Bartholdis Kalkulation: «Jeder Gast kostet einen Fünfliber, wenn er das Lokal betritt.» Oft komme es vor, dass Kunden dann nur ein einziges Getränk bestellen und Zeitungen lesen.

«Salz und Pfeffer»-Chefredaktor Simon Bühler (28) begrüsst die Einführung eines Mindestkonsumationspreises. «Er schafft Transparenz, denn er zeigt dem Gast, dass hinter einem Tee mehr steckt als nur Wasser und ein Beutel.» Bühler ist sich jedoch bewusst, dass die Gäste protestieren könnten. Im Schweizer Gastgewerbe gibt es keine Tradition von Mindestpreisen – im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, wo man eine kleine «Gedeck-Gebühr» extra bezahlen muss.

Gibt es für die Cafés, neben der Erhöhung der Preise, keine anderen Möglichkeiten, ihre wirtschaftliche Lage zu verbessern? Einige Anregungen und Ideen:

  • Kaffeequalität: Nicht selten kommt es vor, dass der servierte Kaffee kaum den Namen «Kaffee» verdient. Dass die Wahl der Kaffeeröstung die Umsätze signifikant beeinflusst, hat uns kürzlich ein Vertreter von Amici Caffè mit eindrücklichen Statistiken aufgezeigt.
  • Treueprogramme: Was McDonald’s oder jeder Dönerstand anbietet, haben wir in einem Café noch nie gesehen: Eine Treuekarte für Stammgäste, mit der zum Beispiel jeder fünfte oder zehnte Kaffee gratis offeriert wird. Dafür könnte der Basispreis des Café Crème etwas erhöht werden.
  • Spezialitätenkaffees: Mit speziellen Kaffeekreationen können höhere Preise erzielt werden. Den Beweis dafür liefert täglich Starbucks. In Cafés wird oft gar keine Alternative zum Café Crème angeboten. Anregungen bieten unser Beitrag über Latte Art oder die Rezepte des Schweizer Cafétier-Verbandes.
  • Ausbau des Leistungsangebots: Warum nicht in Cafés auch Produkte verkaufen? Äusserst erfolgreich kombiniert die Firma Tchibo den Ausschank von Kaffee mit dem Verkauf eines laufend wechselnden Warenangebots. Anbieten würde sich beispielsweise der Verkauf der im Café eingesetzten Kaffee-Röstung. Eine gute Idee hat das kleine Café Winkel aus Glarus umgesetzt: Regelmässig werden dort Bilder von regionalen Künstlern ausgestellt und verkauft.
  • Spezialitäten anbieten: Wofür ist das Wiener Café Sacher berühmt? Für die Sachertorte. Das Café Hawelka? Für die legendären Buchteln von Frau Hawelka. Vielleicht in Zusammenarbeit mit lokalen Konditoreien könnten auch Schweizer Cafés vermehrt versuchen, sich mit Spezialitäten einen Namen zu machen.

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